Mit der Förderperiode 2023–2027 hat sich die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der EU spürbar verändert. Greening ist abgeschafft, dafür gibt es Konditionalität, Öko-Regelungen und eine neue Umverteilungsprämie. Wer die neuen Spielregeln nicht kennt, lässt schnell mehrere tausend Euro pro Jahr liegen – oder kassiert Sanktionen, weil eine Auflage übersehen wurde. Dieser Ratgeber ordnet die wichtigsten Bausteine und Begriffe, damit Sie wissen, worüber Sie mit Ihrer Bewilligungsstelle reden.
01Die zwei Säulen der GAP – kurz erklärt
Die GAP ruht auf zwei Säulen. Die erste Säule sind die flächenbezogenen Direktzahlungen, die jeder Betrieb mit förderfähigen Flächen über den Agrarantrag abruft. Die zweite Säule umfasst die Förderung ländlicher Entwicklung (ELER) – also Agrarumweltmaßnahmen, Ökolandbau, Tierwohl, Investitionsförderung und Junglandwirteförderung in den Ländern. Beide Säulen sind seit 2023 enger verzahnt: Auflagen aus der Konditionalität gelten als Voraussetzung für jede Auszahlung.
02Die Bausteine der ersten Säule
| Baustein | Worum es geht | Wer profitiert besonders |
|---|---|---|
| Einkommensgrundstützung (EGS) | Flächenprämie pro förderfähigem Hektar, bundesweit einheitlich | Jeder Betrieb mit förderfähiger Fläche |
| Umverteilungseinkommensstützung | Höherer Satz für die ersten ca. 40 ha, geringerer für die nächsten ca. 20 ha | Klein- und Mittelbetriebe |
| Junglandwirte-Einkommensstützung | Zuschlag für Betriebsleiter unter 41 J. in den ersten 5 Jahren | Hofnachfolger und Neugründer |
| Gekoppelte Einkommensstützung | Pro Tier-Prämie für Mutterschafe, -ziegen und Mutterkühe | Weidetierhalter |
| Öko-Regelungen (Eco-Schemes) | Freiwillige einjährige Umweltmaßnahmen mit eigener Prämie | Betriebe mit Flexibilität in der Flächennutzung |
03Konditionalität: die neue Basis-Hürde
Konditionalität ist der Nachfolger von Cross Compliance und Greening – und sie ist Pflicht. Wer Direktzahlungen erhalten will, muss alle Vorgaben einhalten. Sie besteht aus den Grundanforderungen an die Betriebsführung (GAB) zu Umwelt, Tierschutz und Lebensmittelsicherheit sowie aus den Standards für den guten landwirtschaftlichen und ökologischen Zustand (GLÖZ).
- GLÖZ 1 – Erhalt von Dauergrünland (Referenzfläche bundesweit).
- GLÖZ 2 – Schutz von Feuchtgebieten und Mooren.
- GLÖZ 3 – Verbot des Abbrennens von Stoppelfeldern.
- GLÖZ 4 – Pufferstreifen entlang von Wasserläufen.
- GLÖZ 5 – Erosionsschutz auf erosionsgefährdeten Flächen.
- GLÖZ 6 – Mindestbodenbedeckung in sensiblen Zeiten.
- GLÖZ 7 – Fruchtwechsel auf Ackerland (mit Ausnahmen).
- GLÖZ 8 – Mindestanteil nichtproduktiver Flächen (4 %) oder Alternativen.
- GLÖZ 9 – Schutz umweltsensibler Dauergrünlandflächen in Natura-2000-Gebieten.
04Öko-Regelungen: die freiwillige Kür
Öko-Regelungen (Eco-Schemes) sind einjährige, freiwillige Umweltmaßnahmen aus der ersten Säule. Sie werden zusätzlich zur Einkommensgrundstützung gezahlt und lassen sich jedes Jahr neu wählen. Aktuell gibt es sieben ÖR, von der Anlage nichtproduktiver Flächen über vielfältige Fruchtfolgen bis zur extensiven Bewirtschaftung von Dauergrünland. Welche sich rechnen, hängt stark vom Betrieb ab – einen ausführlichen Vergleich finden Sie im Artikel „Öko-Regelungen: Was sich rechnet" (in Vorbereitung).
05Die zweite Säule: ELER & Länderprogramme
Die zweite Säule wird über die Bundesländer ausgereicht und unterscheidet sich erheblich. Typische Bausteine sind Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen (AUKM), die Ökolandbauförderung, Tierwohlmaßnahmen, einzelbetriebliche Investitionsförderung (AFP) und die Niederlassungsbeihilfe für Junglandwirte. Wer in der ersten Säule alle Möglichkeiten ausgeschöpft hat, sollte zwingend auch die Programme seines Bundeslandes prüfen – die Antragsfristen liegen oft außerhalb der GAP-Sammelantrags-Termine.
06Wichtige Begriffe in der neuen Sprache
| Begriff | Bedeutung |
|---|---|
| GAP-Direktzahlungen-Gesetz (GAPDZG) | Deutsches Gesetz, das die EU-Verordnung umsetzt |
| GAP-Konditionalitäten-Verordnung | Detailregeln für Konditionalität in Deutschland |
| FLIK | Eindeutige Kennung eines Feldblocks im InVeKoS |
| InVeKoS | Integriertes Verwaltungs- und Kontrollsystem |
| Monitoring | Satellitengestützte Kontrolle aller Flächen pro Jahr |
| Aktiver Landwirt | Statuskriterium, das Mindest-Bewirtschaftung voraussetzt |
07Was bedeutet das für Ihren Betrieb?
- Schlagdaten aktuell halten: Falsche Flächengrößen oder Kulturcodes kosten direkt Geld.
- Konditionalität proaktiv prüfen – besonders GLÖZ 6, 7 und 8.
- Öko-Regelungen jährlich neu durchrechnen, nicht „weil wir letztes Jahr auch...".
- Zweite Säule nicht vergessen: AUKM und Investitionsförderung beantragen.
- Monitoring-Hinweise (Geotagging-Fotos) zeitnah beantworten – Frist meist 14 Tage.
08Fazit
Die GAP 2023–2027 ist komplexer geworden, aber auch flexibler. Wer die Bausteine kennt, Konditionalität sauber abdeckt und Öko-Regelungen gezielt einsetzt, kann seine Förderung optimieren – statt auf Sanktionen zu warten. Entscheidend ist eine saubere Datenbasis: aktuelle Schlaggeometrien, dokumentierte Maßnahmen und nachvollziehbare Aufzeichnungen.
Häufige Fragen
- Was hat sich mit der GAP 2023 geändert?
- Zahlungsansprüche und Greening sind weggefallen. Stattdessen gibt es Einkommensgrundstützung pro Hektar, Umverteilungs- und Junglandwirteprämie, Konditionalität (GLÖZ-Standards) sowie freiwillige Öko-Regelungen.
- Was sind Eco-Schemes / Öko-Regelungen?
- Freiwillige, einjährige Umweltmaßnahmen aus der ersten Säule, die zusätzlich zur Einkommensgrundstützung gezahlt werden und jedes Jahr neu gewählt werden können.
- Was bedeutet Konditionalität?
- Konditionalität fasst alle Mindestanforderungen zusammen, die für Direktzahlungen erfüllt sein müssen – Grundanforderungen an die Betriebsführung (GAB) und Standards für den guten landwirtschaftlichen und ökologischen Zustand (GLÖZ 1 bis 9).
- Wer bekommt die Junglandwirte-Einkommensstützung?
- Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter unter 41 Jahren in den ersten 5 Jahren nach erstmaliger Niederlassung – mit Zuschlag auf bis zu 120 Hektar.
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